ExpertInnen fordern dringend digitale Prozesse und Lösungen in der Pflege

 

Eine Branche in den Startlöchern

Ein Kernelement der Digitalisierung in der Pflege ist die Anbindung aller Einrichtungen und Dienste an die Telematikinfrastruktur zum 1. Juli 2025. Hört sich an, als wäre es noch lange hin? Irrtum! Praxistaugliche Rahmenbedingungen sind jetzt zu schaffen – von allen Beteiligten.

Viel Zeit ist im Themencluster Digitalisierung in der Pflege weitgehend ungenutzt verloren gegangen. Zentrale Fortschrittsthemen wie elektronischer Datenträgeraustausch, digitales Verordnungsmanagement und Abrechnung, mobile Datenerfassung und verschlankte Prozessabläufe durch Software und moderne IT sind so in den letzten Jahren und Jahrzenten nur sehr zähflüssig oder gar nicht in Gang gekommen. Die Beweggründe sind vielschichtig. Träge, behördenartige Prozessabläufe, von denen sich nach wie vor viele Netzwerkpartner der Pflege, insbesondere Kostenträger und Ärzteschaft, offenbar nur schwer lösen können, zählen dazu. Sie haben den Digitalisierungsmotor in Pflege und Gesundheit ins Stocken gebracht.  

Nun liegt bereits seit März 2023 eine „Digitalisierungsstrategie“ des Bundesgesundheitsministeriums vor. Sie soll die wichtigsten Themen, wie die Anbindung der Pflege an die Telematikinfrastruktur (TI) – der zentralen, digitalen Vernetzungsplattform von Akteuren in Gesundheit und Pflege mit dem Ziel des schnellen und sicheren Datenaustauschs – auf den Pfad der erfolgreichen Umsetzung bringen.  



Software-Anbieter: Digitalisierung vorantreiben

Mit dem jüngsten Pflegereformgesetz (PUEG) und den im Nachgang in 2023 bereits verabschiedeten Digital-Gesetzen sind auch schon die Rahmenfristen gesetzt: Alle Pflegeeinrichtungen sind etwa verpflichtet, sich zum 1. Juli 2025 an die TI anzubinden. Doch ist dieses Ziel angesichts der oben skizzierten digitalen Trägheit im System überhaupt erreichbar? Und was tun Akteure aus der Software-Wirtschaft ihrerseits dafür, dass die rund 30 000 Pflegdienste und Pflegeeinrichtungen technisch in die Lage dazu versetzt werden, diesen Transformationsschritt ins Digitale zu gehen?  

Den Worten von Tim Breite und Mark Goede von Optadata, einem der großen Abrechnungs- und Software-Anbieter im Gesundheitswesen, zufolge, stehen diesbezüglich die Signale bei den Entwicklern auf ,Go‘.  „Unser Ziel ist es, die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben. Besonders die Telematikinfrastruktur ist dabei ein wichtiger Grundstein, denn die Verwaltung und Organisation von Rezepten und Verordnungen bündelt viele Ressourcen, die durch die Einführung digitaler Lösungen deutlich verbessert werden kann“, fasst Tim Breite, Referent für Kooperation und Verbände bei Optadata, zur aktuellen Zielsetzung zusammen. „Darüber hinaus haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Arbeitsalltag der Pflegekräfte zu erleichtern und sie durch passende Software dabei zu unterstützen, weniger Zeit am Schreibtisch hinter Papierbergen zu verbringen und sich stattdessen mehr um die Patient:innen kümmern zu können. Kurz gesagt geht es konkret um: Effizienz im Arbeitsalltag, Optimierung von Prozessen, Verbesserung der Versorgungsqualität und mehr Lebensfreude für Pflegekräfte und Patient:innen“, ergänzt Mark Goede, Leitung Projektmanagement bei Optadata.  

TI verbessert die intersektorale Zusammenarbeit

Wie die Software-Branche stehe auch die Pflege in den Startlöchern, weitere Schritte im Bereich Digitalisierung und TI zu gehen, meint Prof. Dietmar Wolff, Vorstandsmitglied des Digitalverbandes Finsoz e.V. Denn die Vorteile für die Leistungserbringer lägen auf der Hand. „Der größte Nutzen für die Leistungserbringer ist ein durchgängiger digitaler Informationsfluss ohne Medienbrüche.“ Dies verbessere bereits die Zusammenarbeit innerhalb der Pflege, noch mehr aber die intersektorale Zusammenarbeit. Beispielhaft führt Wolff „insbesondere die Prozesse ärztlicher Verordnungen für häusliche Krankenpflege und medizinische Behandlungspflege, Arznei- und Heilmittel sowie bei der Bedarfsmedikation und für Hilfsmittel“ an.  

In der TI ist die Anwendung „KIM“ – Kommunikation im Medizinwesen – eine der zentralen Anwendungen. Sie steht für einen schnellen und sicheren Austausch sensibler Daten im TI-Netzwerk. Durch die Beschaffung und ggf. Weiterleitung von Überweisungen mittels KIM und in Verbindung mit dem E-Rezept würde das heutige „Hinterherlaufen oder Hinterhertelefonieren“ der Vergangenheit angehören. „Auch die Aktualisierung des Medikationsplans wird deutlich effizienter und die Zusammenarbeit mit den Apotheken auf eine ganz neue Basis gestellt werden, in der die Pflege ihrer Koordinationsrolle besser gerecht werden kann und gleichzeitig noch Zeit spart“, betont Wolff. 


Source: Altenheim, 2024

 

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